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Hauptfehlerquelle bleibt der Mensch

08. Dezember 2025

Dass der Hauptfaktor, aber auch die grösste Fehlerquelle in der Logistik immer noch der Mensch ist,Cyber-Erpressung schon der drittgrösste Posten in der Weltwirtschaft, und Kühltechnik nicht von «KI» beherrscht, sondern auch hier nur Assistenz sein sollte, zeigte der jüngste «Ofenhock» des SVTL in Rheinfelden.

 SVTL Ofenhock Rheinfelden publikum1 310 Branchentreff im Schützenkeller

In Anwesenheit zahlreicher Teilnehmer und neuer Mitglieder wie «Nordfrost» und «Cooling Vans» widmete sich der Schweizerische Verband für Temperaturgeführte Logistik aktuellen Entwicklungen und praktischen Anwendungen moderner Technologien von der intelligentenTourenplanung über Automatisierung bis hin zu Cyber-Sicherheit.

Mit Marcel Hangartner von der Descartes STEPcom AG ging es zum Auftakt auch um die Art und Weise, in der Wissen um die Notwendigkeit der digitalen Transformation und Automatisierungs-Möglichkeiten vermittelt wird. Hangartner, Teil der weltweit mit rund 2000 Partnern agierenden Logistik-Software- Beratungsgruppe «Descartes Systems», wagte mit zwei in der Art von «Märchengestalten» zu Rate gezogenen Protagonisten den Brückenschlag von der praktischen, nicht akademischen Logistik zu anspruchsvolleren Lösungen für Tourenplanung und Flotten-Management.

Wer sich nicht transformiert...

«Wer sich nicht transformiert, verliert Kunden», so Hangartner. Neue Kunden zu gewinnen, sei im Übrigen statistisch gesehen «siebenmal schwieriger», als Altkunden mit sinnvollen Vorschlägen und Weiterentwicklungen bei der Stange zu halten. Elektronischer Daten-Austausch (EDI) sei eine der wichtigen Möglichkeiten.

SVTL Ofenhock Rheinfelden dicuss hangartner 310  M.Hangartner im Gespräch (re.)

Stefan Mahler, Managing Director von Swisslog Schweiz, berichtet über das «Tri-Temperature Management», mit dem Swisslog in einem gemeinsamen Projekt mit dem Lebensmittel-Distributor «La Réserve des Saveurs» 2024 in Paris sogar einen «Kings of the Supply Chain»-Award gewann. Weltweit eine der ersten Anlagen, die Warenströme mit drei verschiedenen Temperaturen verarbeitet.

Zwei Systeme verbunden

Swisslog zufolge werden hierfür zwei Systeme nebeneinander angeordnet und durch ein Förderband verbunden, das vom SynQ WMS/WCS gesteuert wird – eines für Umgebungstemperatur, das andere für Frischprodukte mit zwei Tiefkühlmodulen. Die Kommissionierung und Nachschubversorgung erfolgen an einer zentralen Schnittstelle. Bereits vorbereitete Bestellungen können im System zwischengelagert und später abgerufen werden - ähnlich wie bei einem Supermarkt-Drive-In.

SVTL Ofenhock Rheinfelden Stefan Swisslog 310 Swisslog-CEO Stefan Mahler

Das automatisierte System habe es La Réserve des Saveurs ermöglicht, die Bereitstellungrate von 55 auf 290 Positionen pro Stunde und damit eine Produktivitätssteigerung von 400 % zu erzielen. Ein hochintelligentes System, zu dem Stefan Mahler allerdings gleichzeitig auch anmerkt: «Von unseren rund 3000 Mitarbeitenden weltweit ist inzwischen jeder Dritte auf irgendeine Weise mit KI befasst. (…) Wir wollen aber nicht, dass eine KI den Kernbereich unseres Lagersystems kontrolliert». Das soll immer noch mit gezielten Algorithmen geschehen. Was nicht daran hindert, Robotarme beim Kommissionieren Griffpunkte per Künstliche Intelligenz optimieren zu lassen.

«Eine echte Revolution»

Dank der Multi-Temperatur-Lösung habe La Réserve des Saveurs seine Betriebsabläufe verbessern, die eigene Lagerkapazität optimieren, die Lieferzeit für Bestellungen auf weniger als einen halben Tag reduzieren und gleichzeitig seinen CO -Fussabdruck verringern können. «Eine echte Revolution für unser Unternehmen. Es verbessert nicht nur unsere Effizienz erheblich, sondern reduziert auch unseren CO₂-Footprint», lässt sich Alexandre Grandjean, Geschäftsführer von La Réserve des Saveurs zitieren. (das Video-Interview hier)

SVTL Ofenhock Rheinfelden efaflex smartassist1 310 SmartAssist: Anleihe bei den Blaulicht-Organisationen. Abb.: Efaflex

Hitverdächtig auch das Smart-Assist-System, eine moderne Lösung für die digitale Echtzeit Unterstützung im Kundenservice und den technischen Support, die Günter Huhle, Gründer und Inhaber eines Unternehmens namens Corevas, gemeinsam mit Tore-Hersteller Efaflex erläutert. Über eine sichere Live- Videoverbindung per Handy ermöglicht das System eine direkte, visuelle Kommunikation zwischen Kunden, Servicetechnikern und Fachexperten – ganz ohne Vor-Ort-Termin, vor allem jedoch ohne grossartigen technischen Aufwand.

Ursprünglich sei das System eine Emergency-Technologie für Blaulicht-Organisationen gewesen. Inzwischen leiste es auch wertvolle Dienste für kritische Infrastrukturen, Energiezentralen, in der Bau-Überwachung oder bei der Regie von Montage-Arbeiten.

Sofortige Unterstützung

Efaflex hat das System gemeinsam mit Huhle´s Corevas weiterentwickelt, um von einer Zentrale aus praktisch sofortige Unterstützung leisten zu können, Reisekosten und Ausfallzeiten zu reduzieren. Im Live-Chat ist sogar die Synchronübersetzung in derzeit 24 Sprachen möglich, können unter Einhaltung von Sicherheitsmassnahmen des Datenschutzes DSGVO-konform jederzeit weitere Experten, Dritt- und Viertmeinungen in Konferenzschaltung hinzugezogen werden. 

Thomas Schlienger, CEO der TreeSolution Consulting GmbH, lenkt den Blick auf die immer noch grössteSchwachstelle aller Bemühungen um Transformation und Digitalisierung: den Menschen. Auf 10,5 Billionen Euro wird der Schaden geschätzt, den Angriffe auf Rechner und Systeme seit fast zehn Jahren, angefangen bei NotPetya in 2017, anrichten.

SVTL Ofenhock Rheinfelden cybersecurity2 310 Cyber-Experte Th. Schlienger. Fotos:klk.

Mit Mafia-Methoden würden durch Fremdverschlüsselung und Lösegeld-Forderungen mittlerweile Umsätze erzielt, die inzwischen diejenigen der grössten Weltwirtschaften erreichten. Immer neue, automatisch arbeitende Abwehrsysteme und Anti-Viren-Programm allein seien nicht ausreichend. Bitter nötig sei auch eine «Human Firewall», die solche Risiken senke, indem die Mitarbeitenden in «Security Awareness», der Wahrnehmung etwaiger Gefahrenquellen geschult werden.

Eine «Human Firewall»

45 Prozent aller schweizerischen Logistik- und Speditions-Unternehmen seien mindestens schon einmal von Hacker-Angriffen betroffen gewesen, so Schlienger. Es gebe allerdings immer noch viele, die das Thema Cyber-Sicherheit nicht sonderlich ernst nähmen. CEOs und Mitarbeitende hätten die Dringlichkeit erhöhter Vorsicht vielfach schon begriffen. «Wo es oft fehlt», so Schlienger, «ist meist das mittlere Management».

www.svtl.ch








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