In der Intralogistik steht die MiG als Kürzel für «Materialwirtschaft im Gleichgewicht». Was eine minder bemittelte «KI» bereits zu Fehlschlüssen verleiten könnte, ist beim Software-Entwickler Perzeptron ein eigens entwickeltes Programm, das Lücken herkömmlicher ERP-Systeme schliessen soll.
Foto: Dommel
Auf Basis dieser MiG hat Perzeptron ein System entwickelt, das die Planungssicherheit von stücklistenbasierten Produktions-Unternehmen messen und bewerten kann. Die sogenannte Effizienzanalyse soll damit in der Lage sein, die Ursachen für suboptimale «KPIs» (Key Performance Indicator) zu identifizieren. Sie dient dazu, Lieferperformance, Kapitalbindung und Auftragsdurchlaufzeiten zu optimieren und Unternehmen auf ein neues Effizienzniveau zu heben. Bereits kurz nach der Implementierung bei einem Anbieter aus der Elektronikfertigung (Leiterplatten) soll die Fehlerquote deutlich gesunken sein.
Durchlaufzeiten optimieren
Abnehmer war ein sogenannter «E²MS» (Electronics Engineering and Manufacturing Service)-Dienstleister namens Dommel, der von der Hard- und Softwareentwicklung über Leiterplattenbestückung bis zur Kabelkonfektion mit komplexen Auftragsstrukturen arbeitet, die teilweise mehrere hundert Materialpositionen pro Fertigungsauftrag umfassen. Die erforderlichen Daten waren im ERP-System vorhanden, jedoch fehlte noch eine durchgängige Transparenz, um Engpässe, Fehlteile oder Terminrisiken frühzeitig zu erkennen und gezielt zu priorisieren.
übergreifende
Die MiG ist dort inzwischen die Lösung als zentrale Steuerungsbasis im Tagesgeschäft – über Einkauf, Planung, Fertigung und Vertrieb hinweg, an das bestehende ERP-System angebunden und benötigt lediglich einen Lesezugriff auf die relevanten Daten. Das Programm greift auf Aufträge, Materialstämme, Bestände, Liefertermine und Fertigungsaufträge zu und bereitet deren Informationen für die operative Steuerung auf.
Übergreifende Datensteuerung
Statt dass Informationen aus unterschiedlichen Masken oder Excel-Dateien zusammentragen werden müssten, werden die ERP-Daten konsolidiert, strukturiert und aus jeweils funktionsbezogener Perspektive bereitgestellt.
«MiG ist für uns ein Game Changer. Wir nutzen die Daten, die im ERP ohnehin vorhanden sind, erstmals so, dass daraus schnelle, belastbare Entscheidungen möglich werden», sagt Markus Gerold, Co-Geschäftsführer bei Dommel.
Ein zentrales Element von MiG sei auch die Engpassbetrachtung: Sie stelle engpasskritische und fehlteilgetriebene Aufträge im kurzfristigen Planungshorizont priorisiert dar. Das unterstütze den Einkauf dabei, Aufgaben zu priorisieren und kritische Positionen systematisch abzuarbeiten.
In der Leiterplattenbestückung
Parallel dazu macht die Fertigungsübersicht sichtbar, welche Aufträge materialseitig vollständig versorgt sind und termingerecht produziert werden können. Planung und Fertigung gewinnen dadurch an Verlässlichkeit.
Die Kombination aus Engpasstransparenz, klarer Priorisierung im Einkauf und materialrealistischer Planung führte zu einer deutlichen Stabilisierung der Materialversorgung – und damit sehr schnell zu einer deutlichen Senkung der Fehlteilquote.
Schnellere Abstimmung
Terminketten werden konsequent danach ausgerichtet, wann das komplette Material für einen Fertigungsauftrag verfügbar ist. Fehlteilbezogene Abweichungen werden zentral erfasst und gebündelt, statt über zahlreiche Einzel-E-Mails verteilt zu sein. Lieferterminverschiebungen können proaktiv bearbeitet werden.
«Früher wurden Liefertermine häufig spät und nicht immer belastbar bestätigt. Heute legt der Vertrieb den Fertigungsauftrag an, der Einkauf fragt daraufhin das benötigte Material an. Sobald die Materialliefertermine bestätigt und der Auftrag in der Fertigung eingelastet ist, erhält der Vertrieb zeitnah Rückmeldung – alles transparent gebündelt im MiG», erläutert Markus Gerold. «Auf dieser Basis können wir unseren Kunden frühzeitig realistische Liefertermine nennen und diese mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch einhalten.»

Inzwischen nutzt Dommel die MiG auch standortübergreifend. Gemeinsam mit Perzeptron wurde eine werksübergreifende Materialübersicht geschaffen, die den Abgleich zwischen dem Hauptstandort in Deutschland und dem Werk in Osteuropa ermöglicht. Die Transparenz endet damit nicht an Werkstoren, sondern bildet die gesamte Supply Chain ab.
Mit zunehmender Unternehmensgrösse, heisst es, gewinne eine solche Form der Steuerung an Bedeutung.

















